Von Daniela Scholer | IBCLC | EFNB® | Neointensiv-Kinderkrankenpflegerin | Zuletzt geprüft am 18.04.2026
Der Zungenstoßreflex verschwindet meist zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat. Ein systematisches Review nennt im Schnitt 4,9 Monate (2–7,5 Monate). Ob der Reflex weg ist, erkennst du daran: Dein Baby behält Brei im Mund, nimmt ihn aktiv vom Löffel und schluckt, ohne ihn sofort wieder herauszuschieben.
Quelle: Castenmiller et al., 2019
Was ist der Zungenstoßreflex?
Wichtig: Der Zungenstoßreflex an sich ist kein Beikostreifezeichen, sondern das Verschwinden des Reflexes gilt als Beikostreifezeichen. Er ist eines der drei wichtigen Beikostreifezeichen und lebensnotwendig, da Neugeborene und junge Säuglinge ihre Zunge noch nicht bewusst steuern können.
Warum haben Babys den Zungenstoßreflex?
Der Zungenstreckreflex schützt Babys vor dem Verschlucken fester Nahrung. Er verhindert, dass feste Nahrung in die Speiseröhre oder Luftröhre gelangt. So bewahrt er das Baby vor potenzieller Aspiration oder vor dem Ersticken.
Wann verschwindet der Zungenstoßreflex?
Wobei immer betont werden muss: Die Beikostreifezeichen hängen von der jeweiligen Entwicklung des Kindes ab und treten daher zu individuellen Zeitpunkten auf.
Lies auch diesen Artikel, wenn es dich interessiert, wann sich die anderen Beikost-Reifezeichen entwickeln.
Weitere Literatur:
Furtenbach, M. (2023). Die Bedeutung der oralen Funktionen in den ersten Lebensjahren. Praesens.
Rapley, G. & Murkett, T. (2019). Baby-Led Weaning – das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg. Komplett aktualisierte und erweiterte Neuausgabe.
Wie erkenne ich, ob der Zungenstoßreflex noch vorhanden ist?
Solange der Zungenstoßreflex noch aktiv ist, schiebt dein Baby angebotene Nahrung mit seiner Zunge immer wieder aus dem Mund. Die Nahrung bleibt nicht drin, sondern läuft oder fällt wieder heraus oder wird herausgeprustet.
Wie erkenne ich, dass der Zungenstoßreflex verschwunden ist?
-
- Die Nahrung bleibt im Mund: Wenn du deinem Baby eine kleine Menge Brei oder pürierte Nahrung auf einem Löffel anbietest, schiebt es diese nicht mehr reflexartig mit der Zunge heraus, sondern behält sie im Mund.
- Dein Baby nimmt den Brei aktiv vom Löffel: Dein Baby kann die Nahrung aktiv mit den Lippen vom Löffel nehmen.
- Nahrung wird nach hinten befördert und geschluckt: Das Baby ist in der Lage, die angebotene Nahrung mit der Zunge nach hinten in Richtung Rachen zu befördern und zu schlucken. Diese Bewegung ist komplexer als das reine Saugen und erfordert eine unabhängige Bewegung von Zunge, Kiefer und Lippen.
- Kein konstantes Würgen bei pürierter Kost: Während Würgen (engl. gagging) ein normaler Schutzreflex ist und weiterhin auftreten kann, sollte dein Baby bei pürierter Kost nicht mehr konstant würgen oder die Nahrung herausprusten, da dies ein Zeichen sein kann, dass es noch nicht gelernt hat, mit dieser Konsistenz umzugehen oder der Reflex noch stark ist.
Was passiert, wenn Beikost zu früh eingeführt wird?
Folgende Probleme können auftreten, wenn Beikost vor dem Verschwinden des Zungenstreckreflexes eingeführt wird:
1. Erschwerte Aufnahme und Verarbeitung fester Nahrung
Solange der Zungenstreckreflex aktiv ist, schiebt dein Baby alles, was nicht flüssig ist, automatisch mit der Zunge aus dem Mund – egal, ob es sich um Brei oder Fingerfood handelt.
2. Verzögerung der oralmotorischen Entwicklung
Babys, die bereits Brei bekommen, bevor der Zungenstoßreflex verschwunden ist, neigen dazu, den Brei vom Löffel aufzusaugen – statt ihn zu schlucken.
Das Verschwinden des Zungenstreckreflexes ist Voraussetzung dafür, dass sich das Kauen und das Kau-Schluckmuster entwickeln können.
3. Erhöhtes Verschluckungsrisiko
Obwohl der Zungenstreckreflex selbst ein Schutzmechanismus ist, der Nahrung herausbefördert, bedeutet sein Fortbestehen, dass das Baby die für feste Nahrung notwendigen Fähigkeiten (Abbeißen, Kauen, aktiver Transport) noch nicht entwickelt hat. Wenn feste Nahrung angeboten wird, bevor diese Fähigkeiten vollständig ausgereift sind, kann dies das Risiko des tatsächlichen Verschluckens (Erstickens) erhöhen – insbesondere, wenn das Baby abgelenkt ist, zurückgelehnt sitzt oder die Nahrung ihm in den Mund geschoben wird.
4. Einschränkung der sensorischen und explorativen Entwicklung:
Wenn das Baby nicht die Möglichkeit bekommt, verschiedene Texturen zu erkunden, kann dies die Entwicklung der sensorisch-motorischen Wahrnehmung im Mundbereich hemmen und zu einer Abneigung gegen stückige Kost führen.
Neben diesen Risiken gibt es noch weitere Risiken bei einem frühen Beikoststart.
Ist bei deinem Baby der Zungenstoßreflex auch nach dem 6. Monat noch vorhanden? Hier erfährst du, was du tun kannst, wenn dein Baby im 7. Monat noch keine Beikostreifezeichen zeigt.
3 häufige Missverständnisse aus der Praxis
Folgende Probleme können auftreten, wenn Beikost vor dem Verschwinden des Zungenstreckreflexes eingeführt wird:
Würgen vs. Verschlucken
Würgen ist ein normaler Schutzreflex. Das Baby macht dabei Geräusche (hustet, würgt, weint), sein Gesicht kann rot werden und die Augen tränen. Wichtig ist: Die Atemwege sind frei. Bleib ruhig – dein Baby kommt im Regelfall selbst mit der Situation klar.
Zähne sind nicht notwendig für den Beikoststart
„Der erste Zahn” ist einer der Mythen rund um die Beikostreifezeichen. Er taucht in diversen Quellen immer wieder unter den Beikostreifezeichen auf. Der erste Zahn ist jedoch kein Beikostreifezeichen. Babys können auch mit ihren Kieferleisten effektiv kauen und Nahrung zerkleinern – dazu braucht es keine Zähne. Zudem bekommen manche Babys ihren ersten Zahn erst weit nach dem vollendeten Lebensjahr – was für die Beikosteinführung viel zu spät wäre. Denn Beikost zu spät einführen birgt Risiken.
Gerne darfst du diesen Beitrag an deine Freunde weiterleiten.
Vielen Dank!







