beikost zu spaet einfuehren risiken loesungen fi | Nestlingszeit

Von Daniela Scholer | IBCLC | EFNB® | Neointensiv-Kinderkrankenpflegerin | Zuletzt geprüft am 18.04.2026

Wenn Beikost zu spät eingeführt wird, kann dein Baby nicht rechtzeitig mit wichtigen Nährstoffen wie Eisen und Zink versorgt werden. Studien zeigen, dass ein Beikoststart nach der 26. Lebenswoche das Risiko für Wachstumsverzögerungen, Allergien und Fütterungsschwierigkeiten erhöhen kann.

Lies hier, woran du den richtigen Zeitpunkt erkennst und was du tun kannst, wenn dein Baby noch keine Beikostreife zeigt.

Was passiert, wenn man Beikost zu spät einführt?

Ein Beikoststart nach dem empfohlenen Zeitfenster kann unterschiedliche Folgen haben:

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Risiken bei spätem Beikoststart

  • Nährstoffmangel: Muttermilch allein kann den Eisenbedarf des Säuglings ab ca. 6 Monaten nicht mehr decken. Gleiches gilt für Zink.
  • Verlangsamtes Wachstum: Große Studien belegen ein verlangsamtes Wachstum.
  • Erhöhtes Risiko für Allergien: Die Einführung von Beikost vor dem 7. Lebensmonat ist entscheidend für die Entwicklung der kindlichen Immuntoleranz.
  • Fütterungsschwierigkeiten: Eine verzögerte Einführung klumpiger Speisen kann zu Nahrungsverweigerung und Schwierigkeiten beim Kauen führen.
  • Probleme bei der Akzeptanz neuer Texturen und Geschmäcker: Eine verzögerte Exposition gegenüber neuen Geschmäcken und Texturen reduziert die langfristige Akzeptanz vielfältiger Nahrungsmittel.
  • Verzögerte Entwicklung der Mundmotorik: Die rechtzeitige Einführung der Beikost ist essenziell für die Entwicklung der neuromuskulären Koordination. Diese Koordination ist notwendig, um die Bewegung von Zunge, Lippen und Kiefer zu trainieren – die wiederum für das Kauen und Schlucken fester Konsistenzen erforderlich sind.

Lass dich bitte nicht verunsichern!

Dein Baby ist um die 26 Wochen alt und zeigt noch keine Beikostreifezeichen? Keine Sorge, dein Baby wird dir dann sicher bald zeigen, wann es bereit dafür ist. Im deutschsprachigen Raum beginnen erfreulicherweise nur wenige Eltern erst nach der 26. Lebenswoche mit der Beikost.

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Stillen & Beikost

Auch nach der Beikosteinführung soll weiter gestillt werden. Denn längeres Stillen bietet viele Vorteile für Kind und Mutter.

Wie viele Eltern führen Beikost erst nach dem 7. Lebensmonat ein?

7,8% der Kinder erhalten in Österreich erst nach der 26. Woche zum ersten Mal Beikost. In der Schweiz haben laut der SWIFS-Studie 97,4% zwischen dem 7. und 8. Lebensmonat bereits Beikost erhalten. In Deutschland gaben 11,5% der Eltern an, Beikost nach dem 7. Lebensmonat eingeführt zu haben.

Wie du siehst kein Grund, sich wirklich Sorgen zu machen. Eine kleine Info am Rande: dass Eltern zu früh mit Beikost starten kommt deutlich häufiger vor.

Risiken des Beikoststarts nach dem 7. Monat


Nährstoffmangel

Muttermilch allein kann den Eisenbedarf des Säuglings ab etwa  6 Monaten nicht mehr decken. Wird der Beikoststart verzögert, kann es zu einem Nährstoffmangel kommen.

Eisenmangel und seine Folgen

Aufgrund des hohen Eisenbedarfs des Babys reicht Muttermilch allein ab dem 6. Lebensmonat nicht mehr, um den Bedarf vollständig zu decken. Der Bedarf steigt von 0,3 mg/Tag in den ersten 3 Monaten auf 11 mg/Tag in den Monaten danach.

Eisenmangel beim Säugling kann die mentale und motorische Entwicklung stören. Es kann zu kurz- und langfristigen kognitiven Beeinträchtigungen kommen.

Nahrungsmittel mit hohem Eisengehalt:

  • Fleisch, v.a. rotes Fleisch
  • Fisch
  • Eier
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen, Sojaprodukte)
  • Hafer
  • Vollkornprodukte

Um die Eisenaufnahme zu verbessern, sollten eisenhaltige Nahrungsmittel mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln kombiniert werden.

Zinkmangel und seine Folgen

Der Zinkgehalt in der Muttermilch nimmt während der Stillzeit kontinuierlich ab. Um den Zinkbedarf des Säuglings zu decken, sollte (bei Vorhandensein der Beikostreifezeichen) zusätzlich Beikost gegeben werden.

Wird der Beikoststart verzögert, so kann es zu einem Zinkmangel kommen. Zink ist ein lebenswichtiger Mineralstoff, der für Wachstum und Entwicklung des Gehirns und des Sehvermögens sowie für die Motorik essenziell ist. Ein Mangel an Zink kann verschiedene gesundheitliche Folgen haben, wie etwa Entwicklungsstörungen, Wachstumsstörungen, Stoffwechselstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit und Wundheilungsstörungen.

Nahrungsmittel mit hohem Zinkgehalt:

  • Fleisch
  • Eier
  • Fisch
  • Hartkäse
  • Hülsenfrüchte
  • Getreide

Erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Allergien

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Veraltetes Wissen

Die Empfehlungen für die Allergieprävention haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Früher wurde dazu geraten, die Einführung potenter Nahrungsmittelallergene zu verzögern. Von einer Verzögerung wird heute abgeraten.

Warum sollen Nahrungsmittel, die potenziell Allergien auslösen können, bei der Beikost nicht weggelassen werden?

Eine verzögerte Beikosteinführung schützt nicht vor der Entstehung von Allergien. Diese Annahme ist wissenschaftlich widerlegt. Im Gegenteil, Studien legen nahe, dass eine späte Beikosteinführung das Allergierisiko erhöhen kann. Es gibt Hinweise darauf, dass eine verspätete Einführung von bestimmten allergenen Lebensmitteln wie Erdnüsse, Eier oder Milchprodukte das Risiko für die Entwicklung von Allergien begünstigen können.

Aktuelle Leitlinien empfehlen, die Einführung allergener Lebensmittel nicht über das Alter von 6 Monaten hinaus zu verzögern.

Folgende Nahrungsmittel zählen zu den potent allergenen Lebensmitteln:

  • Hühnerei (auf rohe und nicht ausreichend erhitzte Eier soll verzichtet werden)
  • Erdnuss (Langsames gezieltes Einführen bei Babys mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis)
  • Fisch
  • Gluten/Weizen (kleine Mengen sollten schrittweise eingeführt werden)
  • Kuhmilchprodukte (keine flüssige Kuhmilch als Getränk vor 12 Monaten)
  • Soja

Erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Allergien

Zwei britische Studien kommen zum Ergebnis, dass die Einführung stückiger Beikost erst nach dem 9. Lebensmonat mit folgenden Risiken verbunden sein kann:

  • Sie aßen deutlich weniger vielfältig – dies betraf alle zehn ermittelten Obst- und Gemüsekategorien.
  • Im Alter von sieben Jahren wurden sie als Kinder mit signifikanten Fütterungsproblemen beschrieben.
  • Sie aßen weniger Portionen Obst und Gemüse.
  • Sie wurden mit 7 Jahren als Kinder beschrieben, die unzureichende Mengen aßen.
  • Sie wurden als wählerische Esser beschrieben.
  • Sie weigerten sich eher bestimmte Lebensmittel zu essen.

Verzögerte Entwicklung der Mundmotorik

Wenn das Baby nur sehr weiches Essen isst und kaum kauen muss, wird sein Kiefer nicht richtig beansprucht. Das kann dazu führen, dass sich die Kaumuskulatur nicht ausreichend entwickelt und Probleme entstehen.

Das Probieren und Essen verschiedener Lebensmittel mit unterschiedlichen Strukturen, Härtegraden und Größen ist daher ein wichtiger Lernprozess für den Mundraum.

Eine verzögerte oder unzureichende Einführung von Lebensmittel mit festeren Konsistenzen – beispielsweise, wenn bis zum 12. Lebensmonat oder länger fast ausschließlich Brei und pürierte Nahrung gegeben werden – birgt folgende Risiken für die Mundmotorik:

  • Studien zeigen, dass weiche Nahrung Fehlfunktionen des Kauens fördern kann und möglicherweise zu einer weniger robusten Knochenstruktur führt. Feste Nahrung hingegen beeinflusst die Knochenstruktur positiv.
  • Eine späte oder unzureichende Einführung festerer Kost kann die Entwicklung eines ausgereiften Schluckmechanismus verzögern oder verhindern.
  • Eine unzureichende Aktivität der orofazialen Muskulatur kann das Wachstum beeinträchtigen und möglicherweise zu Funktionsstörungen im Mundbereich führen.
  • Babys, die nicht frühzeitig die Gelegenheit haben, den Würgereflex anhand festeren Stücken zu trainieren, könnten bei späterer Gabe fester Nahrung größere Probleme mit dem Würgen haben.
Quelle bold | Nestlingszeit

Quellen: Liotto et al., 2020; Northstone at al. 2001

Furtenbach, M. (2023). Die Bedeutung der oralen Funktionen in den ersten Lebensjahren. Praesens.

Warum starten Eltern zu spät mit der Beikost?

In wissenschaftlichen Studien wurden folgende 8 Gründe genannt:

  1. Mangelndes Wissen über die Beikostreife und den richtigen Zeitpunkt der Beikosteinführung,
  2. Fehlinterpretation der Beikostreifezeichen,
  3. Fehlinterpretation von Empfehlungen,
  4. vermeintliche Allergieprävention,
  5. Annahme, das Baby sei noch nicht reif genug,
  6. Angst vor Texturen,
  7. Studien legen nahe, dass Mütter, die den Eindruck hatten, ihr Säugling genieße das Trinken von Mutter- oder Säuglingsmilch besonders, dazu neigten, Beikost später einzuführen,
  8. Kulturelle Normen und ethnische Zugehörigkeit.

Was tun, wenn dein Kind nach dem 7. Monat noch keine Beikostreifezeichen zeigt?

Die Beikostreifezeichen sind von Baby zu Baby unterschiedlich und vom individuellen Entwicklungsstand abhängig. Das bedeutet, bei der Mehrheit der gesunden und termingeborenen Babys trifft dies zu – aber nicht auf alle. Es gibt Babys, die ein paar Wochen länger brauchen. Das ist kein Grund zur Sorge. Und auf keinen Fall solltest du dein Baby zu fester Kost drängen.

In diesem Artikel erfährst du, was du tun kannst, wenn dein Baby im 6. oder 7. Lebensmonat noch keine Beikostreifezeichen zeigt.

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Daniela Scholer
IBCLC, EFNB

Daniela Scholer ist IBCLC Still- und Laktationsberaterin, EFNB-zertifizierte Neonatalbegleiterin und Fachreferentin beim Europäischen Institut für Stillen und Laktation (EISL).

Als diplomierte Kinderkrankenpflegerin mit Spezialisierung in der neonatologischen Intensivpflege begleitet sie seit 20 Jahren Familien – von der Neugeborenen-Intensivstation bis in den Alltag zu Hause. Ihr Ansatz ist evidenzbasiert, empathisch und nah am Leben.

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Quellen:

White, J. M., Bégin, F., Kumapley, R., Murray, C., & Krasevec, J. (2017). Complementary feeding practices: Current global and regional estimates. Maternal & child nutrition, 13 Suppl 2(Suppl 2), e12505.

Nantel, A., & Gingras, V. (2023). Are Complementary Feeding Practices Aligned with Current Recommendations? A Narrative Review. Children (Basel, Switzerland), 10(5), 794.

Begley, A., Ringrose, K., Giglia, R., & Scott, J. (2019). Mothers’ Understanding of Infant Feeding Guidelines and Their Associated Practices: A Qualitative Analysis. International journal of environmental research and public health, 16(7), 1141.

Stern, J., Funkquist, E. L., & Grandahl, M. (2023). The association between early introduction of tiny tastings of solid foods and duration of breastfeeding. International breastfeeding journal, 18(1), 4.

Burgess, J. A., Dharmage, S. C., Allen, K., Koplin, J., Garcia-Larsen, V., Boyle, R., Waidyatillake, N., & Lodge, C. J. (2019). Age at introduction to complementary solid food and food allergy and sensitization: A systematic review and meta-analysis. Clinical and experimental allergy : journal of the British Society for Allergy and Clinical Immunology, 49(6), 754–769.

Northstone, K., Emmett, P., Nethersole, F., & ALSPAC Study Team. Avon Longitudinal Study of Pregnancy and Childhood (2001). The effect of age of introduction to lumpy solids on foods eaten and reported feeding difficulties at 6 and 15 months. Journal of human nutrition and dietetics : the official journal of the British Dietetic Association, 14(1), 43–54.

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