
Von Daniela Scholer | IBCLC | EFNB® | Neointensiv-Kinderkrankenpflegerin | Zuletzt geprüft am 18.04.2026
Soll ich neben der Beikost weiterstillen?
Auch nach der Einführung der Beikost ist Muttermilch eine zentrale Energie- und Nährstoffquelle. Fachgesellschaften wie WHO, AAP und ÖGKJ empfehlen, so lange weiterzustillen, wie Mutter und Kind das wünschen – idealerweise bis zum 2. Geburtstag oder länger. Längeres Stillen senkt z.B. das Risiko für Brustkrebs, Typ-2-Diabetes und kindliche Leukämie.
Dass Beikost das Stillen ersetzt, ist einer der hartnäckigsten Beikost-Mythen.
Warum ersetzt Beikost das Stillen nicht?
Auch nach dem Auftreten der Beikostreifezeichen bleiben Muttermilch und Formulanahrung eine wichtige Energie- und Nährstoffquelle im ersten Lebensjahr.
Stillen nach dem 6. Monat und darüber hinaus hat viele gesundheitliche Vorteile für die Mutter, wie
Stillen nach dem 6. Monat und darüber hinaus hat viele gesundheitliche Vorteile für das Kind, wie:
Stillen hat generell viele gesundheitliche Vorteile für Kind und Mutter. Längeres Stillen, das heißt weit über den Zeitpunkt der Beikostreife hinaus, hat aber noch viele weitere Vorteile.
Weiterstillen oder Abstillen? Wann ist der richtige Zeitpunkt?
In meiner Beratung treffe ich immer wieder auf Mütter, die glauben, aus einem bestimmten Grund abstillen zu müssen. Obwohl sie eigentlich noch gar nicht bereit dazu sind. Wenn dich das Thema Abstillen beschäftigt, dann könnte dir eine Beratung zum bedürfnisorientierten Abstillen helfen.
Vielleicht gehörst du ja auch zu jenen, die nachher voller Freude und Emotionen weiterstillen – mit dem guten Wissen, dass nur Mutter und Kind den richtigen Zeitpunkt bestimmen.
Weiterstillen ist wichtig für die Nährstoffversorgung
Ab etwa dem 6. Lebensmonat kann der Energie- und Nährstoffbedarf des Säuglings nicht mehr allein durch Muttermilch gedeckt werden. Um die steigenden Bedürfnisse zu decken, soll neben der Muttermilch die Beikost eingeführt werden. Dabei bleibt Muttermilch in den ersten Monaten nach der Beikosteinführung die primäre und unverzichtbare Hauptnahrungsquelle. Obwohl Eisen auch mit der Beikost aufgenommen werden kann, wird Eisen aus Muttermilch besonders gut aufgenommen.
Positive Effekte für die Mutter
Gesundheitliche Vorteile des längeren Stillens für die Mutter
Reduziertes Brustkrebsrisiko
Eine umfangreiche Metaanalyse von 47 Studien aus 30 Ländern ergab, dass das relative Brustkrebsrisiko pro 12 Monate Stillzeit um 4,3 % sank.
Eine andere Metastudie fand heraus, dass eine Stilldauer von weniger als 6 Monaten das Brustkrebsrisiko um 7 % und eine Stilldauer von 6 bis 12 Monaten das Risiko um 9 % reduziert.
Es gibt Hinweise auf einen dosisabhängigen Schutz, d. h. längeres Stillen bieten mehr Schutz.
Reduziertes Risiko für Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)
Längeres Stillen ist mit einem deutlich reduzierten Risiko für Eierstockkrebs verbunden. Dabei nimmt der Schutz mit zunehmender Stilldauer zu.
In einer großen, 2020 veröffentlichten Studie wurde der Effekt des Stillens auf Eierstockkrebs an 9.973 Frauen untersucht. Das Ergebnis ist verblüffend: Bei einer Stilldauer von 1 bis 3 Monaten wurde das Risiko für Eierstockkrebs um 18 %, und bei einer Stilldauer von 12 Monaten oder länger sogar um 34 % reduziert.
Reduziertes Risiko für Typ-2-Diabetes
Stillen wird generell mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Dabei gibt es auch hier deutliche Hinweise auf einen dosisabhängigen Schutz. Während eine Stilldauer von 0 bis 3 Monaten keine Reduktion zeigte, war Stillen über 12 Monate hinaus mit einer Risikoreduktion um 30 % für Diabetes verbunden.
Quelle: Ramez et al., 2019
Reduziertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck
Eine Metaanalyse von 5 Studien mit über 255.000 Teilnehmerinnen ergab, dass Stillen für mehr als 12 Monate mit einer relativen Risikoreduktion von 13% für Bluthochdruck verbunden war. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck nimmt der Schutz in der Regel mit der Dauer des Stillens zu, wie eine systematische Übersichtsarbeit über 1.192.700 Frauen ergab.
Positive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und reduzierte postpartale Depression (PPD)
Eine Übersichtsarbeit über 18 Studien ergab, dass eine kürzere Stilldauer mit höheren Raten depressiver Symptome und postpartaler Depression verbunden ist:
Positive Effekte für das Kind
Gesundheitliche und schützende Vorteile des längeren Stillens für dein Kind
Reduziertes Risiko für gastrointestinale Infektionen
Stillen reduziert das Risiko für Durchfallerkrankungen und Magen-Darm-Infektionen erheblich. Ausschließlich gestillte Säuglinge haben das niedrigste Risiko. Das Risiko für Durchfall bei nicht gestillten Säuglingen um das 3,5- bis 4,9-fache höher.
Quellen: Ip et al., 2007; Duijts et al., 2009
Schutz vor Atemwegsinfektionen
Je länger du stillst, desto besser ist dein Baby vor Atemwegsinfektionen geschützt. Dabei bietet längeres ausschließliches Stillen den höheren Schutz.
Schutz vor Mittelohrentzündungen
Laut einem australischen systematischen Review über 24 Studien hat jede Form des Stillens eine schützende Wirkung auf akute Mittelohrentzündungen in den ersten zwei Lebensjahren.
Quelle: Bowatte et al., 2015
Schutz vor allergischer Rhinitis
Ausschließliches Stillen für mehr als 6 Monate ist mit einem deutlich geringeren Risiko für die Entwicklung einer allergischen Rhinitis verbunden.
Quelle: Bowatte et al., 2015
Schutz vor Respiratorischem Synzytial-Virus (RSV)
RSV ist die Hauptursache für akute Infektionen der unteren Atemwege bei Säuglingen. Längeres Stillen reduziert sowohl die Häufigkeit als auch den Schweregrad der RSV-Infektionen.
Quelle: Bowatte et al., 2015
Höhere Intelligenz und kognitive Entwicklung
Durch längeres Stillen werden Kinder zwar keine Genies, aber Studien konnten einen positiven Effekt auf die Intelligenz der Kinder belegen. Je nach Studie wurde ein Anstieg des IQ zwischen 1,76 und 7,5 Punkten festgestellt. Eine Studie aus Frankreich kommt zu dem Schluss, dass jeder zusätzliche Stillmonat den gesamten IQ um 0,20 Punkte steigert.
Quelle: Horta et al., 2015; Bernard et al, 2017
Stillen reduziert das Risiko für Übergewicht
Mehrere Studien belegen, dass Stillen das Risiko für Übergewicht reduzieren kann. So kann durch Stillen das Risiko für Übergewicht um 4% pro Stillmonat reduziert werden, wobei dieser Effekt laut einer Studie bis zu einer Stilldauer von 9 Monaten anhält.
Stillen reduziert das Risiko für Typ-2-Diabetes
Längeres Stillen reduziert das Risiko für Typ-2 Diabetes Lsowohl beim gestillten Kind und der Mutter. Die Dauer des Stillens spielt eine wichtige Rolle. Längeres Stillen, zum Beispiel für ein Jahr oder länger, wurde in einer Studie mit einer signifikanten Reduzierung des Diabetesrisikos in Verbindung gebracht.
Quelle: Horta & de Lima, 2019
Längeres Stillen fördert die orale und kraniofaziale Entwicklung
Stillen im Allgemeinen schützt vor verschiedenen Zahn- und Kieferfehlstellungen, wobei der Schutz mit längerer Stilldauer zunimmt. Längeres Stillen, insbesondere für mehr als sechs oder zwölf Monate, ist mit einem deutlich reduzierten Risiko für einen posterioren Kreuzbiss verbunden. Ohne Stillen oder bei kurzer Stilldauer ist das Risiko bis zu 8,78-mal höher. Stillen fördert aufgrund seiner einzigartigen biomechanischen und entwicklungsspezifischen Vorteile eine gesunde orale und kraniofaziale Entwicklung, denn Stillen hat unter anderem einen Einfluss auf Saugtechnik, harmonisches kraniofaziales Wachstum, Unterkieferposition, Unterkieferwachstum, Gaumenform, Gesichtsform.
Quelle: Peres et al., 2015; Cenzato et al., 2023
Schutz vor Asthma
Kinder, die 6 Monate oder länger gestillt wurden hatten ein geringeres Risiko für Asthma verglichen zu Kindern, die nicht oder kürzer gestillt wurden.
Quelle: Xue et al., 2021
Reduziertes Risiko für Kinderleukämie
Eine Meta-Analyse von 17 Studien zeigte, dass Stillen für sechs Monate oder länger mit einem um 20 % geringeren Risiko für Kinderleukämie verbunden war, verglichen mit keinem oder kürzerem Stillen. Bei einer anderen Meta-Analyse über 45 Publikationen wurde der größte Schutz bei einer Stilldauer von 9,6 Monaten beobachtet.
Quelle: Amitay & Boker, 2015
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