
Von Daniela Scholer | IBCLC | EFNB® | Neointensiv-Kinderkrankenpflegerin | Zuletzt geprüft am 18.04.2026
Die Risiken des frühen Beikoststarts
Beikost ab 4 Monaten – besser nicht!
Beikost sollte nicht vor dem 6. Lebensmonat eingeführt werden. Entscheidend ist das Vorhandensein der Beikostreifezeichen. Welche gesundheitlichen Risiken eine zu frühe Beikosteinführung für dein Baby haben kann, erfährst du in diesem Artikel.
8 Gesundheitliche Risiken bei der Beikosteinführung vor dem 5. Lebensmonat
Die Einführung von Beikost vor dem 5. Lebensmonat (17 Wochen) kann gesundheitliche Nachteile für dein Kind haben. Daher ist das Vorhandensein der Beikostreifezeichen so wichtig. Wissenschaftliche Studien weisen auf folgende Risiken hin.
Wird Beikost vor dem 5. Lebensmonat eingeführt, kann dies folgende gesundheitliche Risiken mit sich bringen:
- Unzureichende Nährstoffaufnahme
- Mögliche Folgen für das Stillen und frühzeitiges Abstillen
- Verdauungsprobleme
- Verschluckungsunfälle
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Erhöhtes Risiko für übermäßige Gewichtszunahme
- Mögliche Essensverweigerung bei Druckausübung
- Erhöhtes Infektionsrisiko
1. Unzureichende Nährstoffaufnahme
Muttermilch ist sehr nährstoffreich. Feste Nahrung und Brei hingegen enthalten weniger Nährstoffe und Kalorien als Muttermilch oder Säuglingsnahrung.
Führst du Beikost zu früh ein, kann es zu einer Unterversorgung deines Babys kommen. Mögliche Folgen sind:
- Gedeihstörung sowie Probleme mit Wachstum und Gewicht
- Verzögerte oder beeinträchtigte Entwicklung
- Erhöhte Anfälligkeit für Infekte
Muttermilch oder Säuglingsnahrung decken im Regelfall den Nährstoffbedarf in den ersten sechs Lebensmonaten ab. Auch danach sollte Beikost die Milch nicht ersetzen, sondern ergänzen.
2. Mögliche Folgen für das Stillen und frühzeitiges Abstillen
3. Verdauungsprobleme
Vor dem 5. Lebensmonat sind das Verdauungssystem und die Nieren eines Säuglings noch nicht ausreichend entwickelt, um Beikost problemlos zu verarbeiten. Da Kinder um den 5. Lebensmonat noch nicht für Baby-led Weaning bereit sind, müssen sie mit Brei gefüttert werden. Brei wiederum erhöht das Risko für Verstopfung. Eine zu frühe Einführung kann daher zu Verdauungsproblemen führen.
Quelle: Chiang et al., 2020
4. Verschluckungsunfälle
Aufgrund fehlender motorischer und kognitiver Fähigkeiten (z.B. aufrechtes Sitzen, fehlender Zungenstoßreflex) besteht ein erhöhtes Risiko für Verschluckungsunfälle. Daher ist das Vorhandensein der Beikostreifezeichen entscheidend für einen sicheren Beikoststart.

Babyschalen erhöhen das Aspirationsrisiko. Daher sollen Babys nicht in Babyschalen gefüttert werden.
5. Erhöhtes Infektionsrisiko
Bei reif geborenen Babys mit Zugang zu sauberem Trinkwasser besteht laut verschiedener Studien kein grundsätzlich erhöhtes Infektionsrisiko. Allerdings weisen Studien darauf hin, dass durch die schützenden Eigenschaften der Muttermilch das Risiko für Infektionen bei längerem ausschließlichem Stillen reduziert werden kann.
Quellen: Duijts et al., 2009; Dib et al., 2024
6. Risiko für Allergien
Ob ein Beikoststart vor dem 5. Lebensmonat das Risiko für Allergien erhöht, ist wissenschaftlich umstritten. Einige neuere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass bei der Beikosteinführung vor dem 3. oder 4. Lebensmonat das Risiko steigt. Andere Studien wiederum kommen zum gegenteiligen Schluss.
Unabhängig davon sollte ein vorzeitiger Beikoststart aufgrund der anderen vorhandenen Gesundheitsrisiken vermieden werden.
7. Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Verschiedene Studien deuten auf ein potenziell erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, hin. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um die Langzeitwirkung der frühen Beikosteinführung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zuverlässig beurteilen zu können.
Quellen: D’Enza et al., 2020; Castenmiller et al., 2019
8. Erhöhtes Risiko für übermäßige Gewichtszunahme
Einige Studien weisen auf ein potenziell erhöhtes Risiko für Übergewicht hin.
9. Mögliche Essensverweigerung bei Druck
Wer die Beikostreifezeichen ignoriert und sein Baby zu früh zum Essen drängt kann damit das Essverhalten seines Kindes stören. Druck und Zwang können sich negativ auf die Einstellung zur Nahrungsaufnahme auswirken.
“Nach dem 4. Monat”
Irreführende Angaben auf Baby-Gläschen
Auf dem Etikett diverser Babynahrungsgläschen steht „Nach dem 4. Monat“.
Führende Ärzt*innen und andere Expert*innen weisen jedoch darauf hin, dass diese Formulierung die Eltern zu einem verfrühten Beikoststart verleiten kann.
Denn bei vielen kommt an: ‚im 4. Monat‘ – also noch vor dem 5. Lebensmonat. Tatsächlich ist die Angabe so zu verstehen, dass die Einführung erst ab dem 5. Monat erfolgen sollte. Eine klarere Kennzeichnung mit ‚Ab dem 5. Monat‘ wäre hier deutlich hilfreicher.
Generell stammen viele Infomaterialien über Beikost von Lebensmittelherstellern. Auch dort findet man oft verwirrende oder missverständliche Angaben. Dies macht es für Eltern schwierig, an objektive wissenschaftlich fundierte Informationen zu kommen.
Zu früher Beikoststart
Gründe für einen verfrühten Beikoststart
Die weltweiten Zahlen sind zum Teil überraschend – insbesondere die teils deutlichen regionalen Unterschiede. Interessant in diesem Kontext sind die Ursachen und Hintergründe, warum Eltern zu früh mit der Beikost starten.
Nicht irritieren lassen
Immer wieder raten Fachpersonen – sei es in persönlichen Beratungen, Blogs oder auf Social Media – zu einem Beikoststart vor dem 5. Lebensmonat.
Wichtig: Auch wenn dies auf Empfehlung geschieht, sollte Beikost nicht vor dem 5. Lebensmonat eingeführt werden. Ein verfrühter Beikoststart birgt gesundheitliche Risiken und entspricht weder dem wissenschaftlichen Kenntnisstand noch der gängigen Praxis.
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